Wie es begann

Ballonfahren hat mich schon immer fasziniert. Zu meiner Kinderzeit sah man nur selten eine heißluftgefüllte Kugel über unsere Region hinwegschweben. Aber wenn mal ein Luftfahrzeug dieser Art bei uns vorbei kam, war ich nicht mehr zu halten. Das Fahrrad aus dem Schuppen geholt und los ging es, diesem Gefährt hinterher. So hatte ich mal das Glück, bei einer Landung dabei zu sein.

Von der Technik und deren Zusammenhänge inspiriert machte ich mich daran, so etwas nachzubasteln. Aus langen ellipsenförmigen Papierbahnen, die ich zusammenklebte, entstand ein ballonähnliches Gebilde von ca. 1 Meter Höhe. In die untere runde Öffnung montierte ich ein Kreuz aus dünnem Draht. Auf deren Mitte wurde eine aus flüssigem Brennstoff getränkte Watte befestigt. Diese zündete ich an. Es dauerte eine Weile, dann hatte sich genügend Heißluft in der Hülle gesammelt, so dass die Tragkraft des Eigengewichtes erreicht war. Nach dem Moment des Schwebezustands erfolgte der Auftrieb. Eine Euphorie wurde in mir ausgelöst. Durch Ausnutzen der physikalischen Gesetze war es mir gelungen, dieses Mini-Ungetüm in die Luft zu hieven.

Wie bei einem echten Ballon musste auch hier die Verfolgung aufgenommen werden. Je nach Eigenschaft des Windes war die Entfernung und Richtung auf eine unkontrollierte Landung irgendwo festgelegt. Durch den Verbrauch des Brennvorrates und die Verringerung der Flamme ging der Modellballon früher oder später langsam wieder zu Boden, womit aber nicht das endgültige Erlöschen des kleinen Feuers gewährleistet war.

Natürlich fanden die Versuche auch zur Erntezeit statt. Auf die möglichen Gefahren eines sich entwickelnden Flächenbrandes durch die Berührung der Restflamme mit vorhandenem Heu oder Stroh möchte ich nicht weiter eingehen. Auf Grund der geringen Lebenserfahrung in meiner Bubenzeit war das kein Leichtsinn, sondern reines Experimentierrisiko, und für das, was später umgesetzt werden sollte, wurde vielleicht hier bereits der Keim gelegt.

Aus der Kindzeit herausgewachsen und in die Jugendzeit mit ersten Verpflichtungen gelangt, schlummerte zunächst einige Jahre dieses Faible. Irgendwann, hervorgerufen durch welche Impulse auch immer entstand da wieder ein vager Gedanke - eine flüchtige Idee. Er kam wieder - war dann wieder fort. Er kehrte zurück - hinterließ einen leichten angenehmen Sinnesreiz. Und das geschah immer häufiger und in immer kürzeren

Intervallen. Eines Tages merkte ich, wie er sich zu einem festen Vorhaben kristallisierte und von mir Besitz ergriff. Schließlich war ich gefangen von der Idee. Und so begann die Suche nach einer Ausbildungsmöglichkeit.

Ende der 80er Jahre war der Ballonsport immer noch nicht im Bereich nördlich des Teutoburger Waldes bis ins südwestliche Niedersachsen zu finden. Informationen über Möglichkeiten einer Ausbildung waren rar. Nach einer Auskunft bei der Bezirksregierung Münster (damals Luftfahrtbehörde Münster) sollte ich die nächstgelegene Chance meines Vorhabens in der Hochburg für Ballonfahrer im Münsterland finden können.

Ohne eine gesundheitliche Eignung ging natürlich nichts. Ich suchte einen Facharzt auf, der mir nach umfangreichen Untersuchungen die Fliegertauglichkeit bescheinigte. Dann folgte die Sprechfunkausbildung für den Flugfunkdienst, welche als Grundlage für Theorie und Praxis der Privatpilotenlizenz erforderlich war.

Die damalige noch alljährlich zu Pfingsten stattfindende Montgolfiade auf dem Flugplatz Münster-Telgte veranlasste mich zur Kontaktaufnahme mit den vor Ort lagernden und dem Wetter für Ballonfahrten auflauernden Ballonpiloten. Hier lernte ich den Vollblutballonfahrer Benedikt Haggeney kennen. Zwanglos und unkompliziert, aber dennoch mit sicherer Einstellung zu allem Drum und Dran, was das Ballonfahren und die Ausbildung betraf, stand er mir mit Rat zur Seite. Schon an diesem Tag erhielt ich einen Termin für meine erste Ausbildungsfahrt, die am 17. Juni 1988 stattfand.

Die geforderten 20 Mindestfahrstunden, welche wir zum Zweck der Ausbildung im Ballonkorb verbrachten, waren jederzeit angenehm und wurden nie durch eine typische Lehrer-Schüler-Haltung dominiert. Eine durch Benedikt entgegengebrachte Kameradschaft, gepaart mit Kompetenz und Witz, machten die anspruchsvolle Ausbildung zu einem unbeschwerten Erlebnis, an das man gerne zurückdenkt.

Benedikt Haggeneys Können in diesem Betätigungsfeld bestätigte sich noch im selben Jahr meiner absolvierten Theorielehrgänge und der Prüfungsfahrt. Bei der 9. Heißluftballon-Weltmeisterschaft 1989 in Saga (Japan) errang er nach Wettkampfqualifikationen in der Zeit vom 18.11. bis 27.11.1989 als erster Deutscher in der Geschichte den Weltmeistertitel.

Mein (heutiger) Standpunkt zum Ballonfahren unter "Unser Motto"

Im Ballon